Interview „Der Weg zur Sinnorientierung“

Ein Gespräch von Bernd Ankenbrand und Florian Kohl

Florian Kohl: Ich bleibe einfach beim Du, wir kennen uns inzwischen ja schon eine ganze Weile. 2014 warst Du bei Alexander von Halem und mir im Podcast. Ich habe den Eindruck, draußen in der Wirtschaft findet eine Verschiebung statt. Die Anreizmodelle Karriere und Gehalt wandeln sich und das große Thema beim Wettbewerb um Mitarbeiter ist „Sinn“.

Bernd Ankenbrand: Das stimmt. Wenn ein Unternehmen heute Mitarbeiter für sich gewinnen will, dann muss es auch Sinn bieten – aber nach anderen Maßstäben als noch vor wenigen Jahren. Bei Startups, zum Beispiel im Digitalbereich ist das längst bekannt. Generell ist das Thema für Startups, aber auch viel leichter zu bedienen. Wenn Du auf der grünen Wiese startest, es keine Unternehmenshistorie gibt, keine alte Unternehmenskultur, die mühsam diskutiert und verändert werden muss, dann tust Du Dir natürlich leichter.

Florian Kohl: Gibt es einen Standard, ein Rezept die man umsetzen kann, um zum sinnstiftenden Unternehmen zu werden?

Bernd Ankenbrand: Ein Rezept würde ich nicht sagen, aber um im Sprachbild zu bleiben, es gibt sehr wohl Zutaten die, wenn man sie kombiniert, Sinn für Mitarbeiter und für Kunden entstehen lassen. Das sind zum einen eine Zielorientierung, die ich teile. Das Unternehmen hat ein Ziel, mit dem ich mich identifizieren kann. Nehmen wir Deinen Verlag. Euer Ziel ist es, Gemeinden zu unterstützen ihre Bürger zu informieren. Wenn ich mich Dein Mitarbeiter sich mit diesem Ziel identifizieren kann, habe ich schon eine Zutat.

Florian Kohl: Jetzt haben wir eine Zutat; aber, dass macht noch kein ganzes Rezept. Was brauchen wir noch?

Bernd Ankenbrand: Richtig. Aber wenn die Zielorientierung nicht passt, nützt Dir auch die zweite Zutat nichts. Der Mitarbeiter muss seine eigene Wirkung erkennen. Das bedeutet: Der Mitarbeiter muss sehen können, dass er etwas nach seinen Maßstäben bewirkt. Bleiben wir bei Deinem Verlag, die Mitarbeiter, die die Gemeindeblätter erstellen sehen schwarz oder bunt auf weiß, dass es euch jede Woche gelingt die Bürger der Gemeinden zu informieren. Und bevor Du fragst. Ja es gibt noch eine weitere dritte Zutat für unser Sinn-Rezept: Die Zugehörigkeit. Wenn ich Tag für Tag in einen Laden gehe, in dem ich mich vom Umfeld her nicht wohlfühle, dann tue ich mir sehr schwer damit Sinn zu entdecken.

Florian Kohl: Zusammenfassend kann man also sagen, die drei Faktoren sind: Ich brauche ein Ziel, das ich teile, damit ich weiß warum ich etwas tue. Ich muss meine Wirkung erkennen können und, ich muss mich zugehörig fühlen und mit anderen zusammen etwas bewegen können – und das jeweils nach meinen Sinnmaßstäben.

Bernd Ankenbrand: Ganz genau, geteilte Zielorientierung, erkennbare Wirkung und Zugehörigkeitsgefühl sind Zutaten die im Zusammenspiel Sinn entstehen lassen.

Florian Kohl: Vielen Dank für das spannende Interview.

Bernd Ankenbrand: Danke Dir!

Prof. Dr. Bernd Ankenbrand (www.berndankenbrand.de) ist Experte für Risiko- und Vertrauenswahrnehmung, Geschäftsmodellinnovation und Sinnökonomie. Nach einer Professur an der Karlshochschule lehrt er inzwischen an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Schweinfurt (FHWS). Er studierte und forschte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Witten/Herdecke und der Stockholm Business School.

Florian Kohl ist Inhaber von REVISTA, dem Verlag für amtliche Mitteilungsblätter; Partner bei kunkel & kohl, einer Agentur für Kommunikation und im Bundesvorstand der Wirtschaftsjunioren im Ressort Innovationen und Ressourcen

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